Emma Budge

Emma Ranette Budge, geborene Lazarus (geboren am 17. Februar 1852 in Hamburg; gestorben am 14. Februar 1937 ebenda) war eine deutsch-amerikanische Kunstsammlerin, Stifterin und Mäzenin. Ihr umfangreiches Vermögen und ihre Villa in Hamburg, das Budge-Palais, wurden nach ihrem Tod auf der Grundlage antijüdischer Gesetze zu großen Teilen von der Stadt Hamburg vereinnahmt, ihre berühmte Kunstsammlung mit weit über tausend Exponaten versteigert.

Emma Lazarus war die Tochter des hamburgischen Kaufmanns Ludwig Lazarus und seiner aus Karlsruhe stammenden Frau Emilie, geborene Hofmann. Die Familie gehörte der Deutsch-Israelitischen Gemeinde in Hamburg an. 1879 heiratete Emma den am 20. November 1840 in Frankfurt am Main geborenen Bankier Henry Budge. Dieser lebte seit 1866 in den USA und war seit 1875 Teilhaber des Bankhauses L. Hallgarten & Co. Sie siedelte mit ihm in die USA über und erlangte 1882 die amerikanische Staatsbürgerschaft. Budge erwarb durch die Sanierung und Neustrukturierung der amerikanischen Eisenbahngesellschaften in den folgenden Jahren ein Millionenvermögen.
1903 kehrte das kinderlose Ehepaar nach Deutschland zurück und ließ sich in Hamburg nieder. Hier hatte Budge im Jahr 1900 eine Villa an der Alster gekauft und dem Architekten Martin Haller den Auftrag zum Aus- und Umbau erteilt. Es entstand das sogenannte Budge-Palais am Harvestehuder Weg, das zu Lebzeiten der Budges zu einem Zentrum des gesellschaftlichen und kulturellen Lebens in Hamburg wurde. In den folgenden Jahren trug Emma Budge eine hochrangige Kunst- und Kunsthandwerkssammlung zusammen, die aus Möbeln, Textilien, Skulpturen, Goldschmiedekunst, Gemälden, Porzellan und Fayencen sowie Fächern bestand. Der Wert der Sammlung wurde Mitte der 1930er Jahre auf eine Million Reichsmark beziffert.
In den 1920er Jahren gründete das Ehepaar zahlreiche Stiftungen mit sozialer Zielsetzung in Hamburg, Wetzlar und Frankfurt am Main. Diese bestanden ausdrücklich zur Unterstützung Hilfsbedürftiger ohne Unterschied des Glaubens und sollten das Zusammenleben von Juden und Nichtjuden befördern. Zur Gründung der Frankfurter Universität stellte Henry Budge bereits vor dem Ersten Weltkrieg eine halbe Million Reichsmark zur Verfügung. Auch wollte er den Bau eines neuen Tempelgebäudes in Hamburg unterstützen, er stellte jedoch die Bedingung, dass dort Frauen und Männer wie in einer New Yorker Reformgemeinde zusammen sitzen sollten. Das Angebot wurde daraufhin von dem Rabbiner Jacob Sonderling abgelehnt.
Henry Budge starb am 28. Oktober 1928 in Hamburg. Nach seinem Testament erhielt Emma Budge die Verfügungsgewalt über sein Vermögen. Mit einer gemeinsamen Erklärung der Eheleute sollte die Kunstsammlung nach dem Tod des überlebenden Ehegatten dem Hamburger Museum für Kunst und Gewerbe vermacht werden. In diesem Sinne handelte Emma Budge im Frühjahr 1932 mit dem damaligen Staatsrat Leo Lippmann die Gründung einer weiteren Emma-Budge-Stiftung aus, nach der auch der gesamte Grundbesitz am Harvestehuder Weg in das Eigentum der Stadt übergehen und, mit seinen Kunstschätzen, als Museum geöffnet werden sollte.
Nach der Machtübernahme der Nationalsozialisten gerieten Emma Budge und die Mitglieder ihrer Familie zunehmend unter den antisemitischen Druck des NS-Regimes. 1935 widerrief sie das Testament und die Schenkungsabsichten:
„Gezwungen sehe ich mich zu dieser Aufhebung und zur Neuordnung durch die Veränderung meiner eigenen finanziellen Verhältnisse in Deutschland, welche Veränderungen es mir widersinnig erscheinen lassen, eine von mir früher zugunsten der Stadt Hamburg angeordnete Verfügung weiter bestehen zu lassen.“
Emma Budge starb am 14. Februar 1937 in Hamburg, wenige Tage vor ihrem 85. Geburtstag. Sie wurde eingeäschert und an der Seite ihres Mannes auf dem Alten Jüdischen Friedhof Rat-Beil-Straße in Frankfurt am Main beigesetzt.
In der letztgültigen Fassung des Testamentes vom November 1935 reagierte Emma Budge auf die unsicheren politischen Verhältnisse. Sie setzte vier Testamentsvollstrecker ein, die nach eigenem Ermessen eine Verwertung des Hauses, der Kunstsammlung und des Vermögens vornehmen sollten. Ausdrücklich verfügte sie, dass der Nachlass, weder Haus noch Kunstsammlung, in die Verfügungsgewalt der Stadt Hamburg gelangen durften. Als Nachlassverwalter hatte sie den Bankier Max Warburg, den Rechtsanwalt Hermann Samson und die Budge-Neffen Max Kronheimer und Ludwig Bernstein eingesetzt. Für den Fall, dass diese Beauftragten ausfallen und jemand anderes benannt werden solle, war vorgesehen, dass es sich dabei um jemand handeln müsse, der jüdischen Glaubens sei. Bedacht waren von dem Testament 13 jüdische Verwandte.
Zum Zeitpunkt von Emma Budges Tod waren mehrere der Erben bereits aus Deutschland ausgewandert, andere bereiteten ihre Emigration vor. Die Testamentsvollstrecker beschlossen deshalb die Veräußerung der Kunstsammlung und des Budge-Palais, da sie keine andere Möglichkeit der Verwertung sahen. Die Sammlung wurde noch im Jahr 1937 im Auktionshaus Paul Graupe Berlin in zwei großen Auktionen versteigert. Erworben wurden die über tausend Objekte sowohl von Privatbesitzern wie von Vertretern der wichtigen Museen im Deutschen Reich, aber auch aus den Niederlanden und aus der Schweiz. Der Erlös betrug etwa eine Million Reichsmark und wurde auf ein mit Sicherheitsanordnung belegtes Nachlasskonto beim Bankhaus M.M. Warburg gezahlt, wie es die nationalsozialistische Gesetzeslage für jüdisches Vermögen vorsah.
Auch das Palais wurde zum Kauf angeboten, im Herbst 1937 machte der Reichsstatthalter und Gauleiter der NSDAP Karl Kaufmann den Anspruch der Stadt Hamburg auf das Haus geltend, am 11. Dezember 1937 ging es samt seinem Grundstück und der Nebengebäude in das Eigentum der Stadt Hamburg über. Der Gesamtpreis in Höhe von 305.000 Reichsmark wurde ebenfalls dem Sperrkonto gutgeschrieben.
Zum Budge-Nachlass gehörten zudem weitere Vermögenswerte, insbesondere ausländische Wertpapiere und Dollarguthaben. Insgesamt wird von einem Gesamtwert des Erbes von sechs Millionen Reichsmark ausgegangen, das der nationalsozialistische Staat in den folgenden Jahren zum größten Teil an sich brachte, in dem die Testamentsvollstrecker abgesetzt, die noch in Deutschland lebenden Erben an der Auswanderung gehindert und teilweise inhaftiert wurden, und letztlich scheinbar legal über Sicherungsanordnungen, Sondersteuern und -abgaben kein Auszahlungsbetrag verblieb. Als neuer Nachlassverwalter wurde von den nationalsozialistischen Hamburger Behörden der ehemalige Steuerberater Emma Budges, der Wirtschaftsprüfer Gottfried Francke eingesetzt.
Im August 1937 wurden die diversen Sammlungen, die Gemälde, die Möbel und das Porzellan in fünf Möbelwagen von Hamburg nach Berlin geschafft und dort im Auktionshaus Paul Graupe angeboten. Die Versteigerung sollte vom 27. bis 29. September 1937 stattfinden, verschob sich jedoch auf den 4. bis 6. Oktober und den 6. und 7. Dezember 1937. Die Objekte waren unlimitiert, das hieß, sie mussten um jeden Preis versteigert werden. Es handelte sich dabei um die größte Privatsammlung, die während der Nazi-Zeit versteigert wurde.
Die außergewöhnliche Porzellansammlung umfasste Exponate aus bedeutenden frühen Manufakturen aus Wien, Nymphenburg, Höchst und Meissen. Es handelte sich um 13 Positionen Geschirr, 20 Tierdarstellungen und 99 Meissener Figuren aus dem 18. Jahrhundert, darunter Apoll und die neun Musen und 16 Miniaturen der Serie Cris de Paris des Künstlers Johann Joachim Kändler. Das wertvollste Stück der Sammlung war eine Statuette aus rotbraunem Böttgersteinzeug, die vermutlich den Kurprinz Friedrich August, den Sohn Augusts des Starken darstellt. Diese erwarb das Landesmuseum Schwerin für einen Kaufpreis in Höhe von 2.185 Reichsmark. Am 5. Februar 2001 wurde diese Figur nach der Washingtoner Erklärung an die Erben restituiert und 2012 mit Hilfe der Kulturstiftung der Länder und einigen Privatstiftungen für das Schweriner Museum käuflich erworben.
Das Berliner Schlossmuseum ersteigerte bei der Auktion einen silbernen Hochzeitsbecher. Durch kriegsbedingte Verlagerung gelangte das Gefäß in das Depot der Hessischen Treuhandverwaltung für preußisches Kulturgut in Wiesbaden. Im Jahr 1954 klagten die Erben auf Rückgabe, doch wurde diese auf der Grundlage einer Aussage des Testamentsvollstreckers Gottfried Francke mit Urteil vom 10. Dezember 1954 abgewiesen. Auch das Hamburger Museum für Kunst und Gewerbe hatte zwei silberne Becher aus der Sammlung Budge erworben. Im April 2002 zahlte das Museum eine Entschädigung an die Erben.
Neben den kunstgewerblichen Gegenständen kamen auch etwa sechzig Gemälde und zehn Miniaturen, vor allem niederländischer und englischer Maler aus dem späten 19. Jahrhundert, im Dezember 1937 in die Auktion. Das davon am höchsten geschätzte Werk war die Höfische Sommerpartie von Charles André van Loo, das zu einem Preis von 20.000 Reichsmark angeboten wurde. Weitere Werke stammten von Andreas Achenbach, Oswald Achenbach, Francesco Bartolozzi, William Adolphe Bouguereau, Narcisso Virgilio Díaz de la Peña, Jules Dupré, Jean-Léon Gérôme, Ludwig Knaus, Théodore Rousseau und Benjamin Vautier. Der größte Teil der versteigerten Sammlung gilt bis heute als verschollen. So sind im Lostart-Register, der Datenbank der Koordinierungsstelle für Kulturgutverluste in Magdeburg, neben den Gemälden und Miniaturen 45 Druckgrafiken, 65 Plastiken, 34 antike Möbelstücke und 1105 Exponate des Kunsthandwerks einschließlich der Porzellansammlung als Suchmeldungen eingetragen. Hinzu kommt ein Puppenhaus, das inzwischen im Museum für Kunst- und Gewerbe zugeordnet werden konnte, und ein Puppenladen.
Henry Budge kaufte um 1900 eine von dem Hamburger Architekten Martin Haller 1884 errichtete Villa in Hamburg-Harvestehude an der Alster und ließ das Haus von ebendiesem Architekten erweitern. Vom Ursprungsbau erhalten blieben der mittlere, zweigeschossige Trakt und die beiden Außenflügel mit Erkern. Zur Alsterseite hin wurde das Gebäude mit dem halbrunden Mittelrisaliten und den ausgebauten steilen Dächern erweitert. In den Jahren 1909/1910 kam auf der Rückseite ein Saalanbau hinzu, der als Spiegelsaal eingerichtet, privaten Theater- und Musikaufführungen diente. Nach der Machtübernahme der Nationalsozialisten machte der Gauleiter Karl Kaufmann Emma Budge ein Kaufangebot für die Villa, das diese jedoch ablehnte. Doch nach ihrem Tod 1937 brachte die Stadt Hamburg das Haus dennoch in ihren Besitz. Die letzten Bewohner der Villa, Henry Budges Neffe Siegfried Budge (1869–1941) und seine Ehefrau Ella Budge (1875–1943), mussten nach dem Eigentumsübergang das Haus verlassen, beide starben während der weiteren Verfolgung durch die Nationalsozialisten. 1938 bezog die Reichsstatthalterei den Budge-Palais, nebst zwei benachbarten Villen. Auf dem hinteren Grundstück ließ Kaufmann 1939/1940 für sich und seinen Stab einen Bunker einrichten.
1945 beschlagnahmten die britischen Truppen das Gebäude und belegten es bis 1955 als Offiziersunterkunft. Am 10. November 1952 wurde nach einem Beschluss des Landgerichts Hamburg der Budge-Palais einschließlich der Nebengrundstücke für einen Nachzahlungsbetrag von 22.500 DM an die Stadt veräußert. Seit 1959 wird das Gebäude von der Hochschule für Musik und Theater genutzt. Den 1909 errichteten Spiegelsaal trug man ab. Sein Interieur konnte im Museum für Kunst und Gewerbe untergebracht und dort 1986 rekonstruiert werden. Seit 1993 erinnert am Eingang Milchstraße eine Bronzetafel an Henry und Emma Budge und im Sommer 2007 wurden zum Gedenken an Ella und Siegfried Budge zwei Stolpersteine in den Gehweg gesetzt.
Nachdem die Stadt Hamburg in den Besitz des Budge-Palais gelangt war, versuchten die Behörden auch an das umfangreiche Vermögen aus dem Erbe Emma Budges zu gelangen. Dabei wurden nicht allein die geltenden Gesetze, insbesondere die antijüdischen Sondergesetze angewandt, sondern auch mit behördlichen Willkürakten und Erpressung eingegriffen. Den Großteil des Budge-Nachlasses bildete ein Depot mit ausländischen Wertpapieren und Dollarguthaben, das bei der Schweizerischen Kreditanstalt in Zürich hinterlegt war. Damit war es dem direkten Zugriff der nationalsozialistischen Behörden entzogen. Die von Emma Budge eingesetzten Testamentsvollstrecker planten, die Ausreise der sich noch in Deutschland aufhaltenden Erben abzuwarten, ehe die Erbanteile aufgeteilt werden sollten, die deutschen Stellen drängten hingegen auf eine rasche Teilung und anschließende Transferierung nach Deutschland. Im September 1938 setzte die Hamburger Devisenstelle die Testamentsvollstrecker ab. Zudem stellt sie ein Amtshilfeersuchen an die Devisenstelle Frankfurt, da die meisten der noch in Deutschland lebenden Erben in dessen Einzugsgebiet wohnte. Von dort kam es zur Einschaltung der Gestapo und der Verhaftung zweier der Erben und deren Überstellung in das KZ Buchenwald. Die Pässe der übrigen Erben zogen die Behörden ein. Mit dieser Maßnahme konnte die Zustimmung auch der im Ausland lebenden Erben auf die Transferierung erheblicher Vermögensanteile, etwa zwei Drittel des in der Schweiz gelagerten Nachlasses, nach Deutschland erpresst werden. Im Gegenzug wurden die beiden Inhaftierten aus Buchenwald entlassen und allen Betroffenen die Ausreise genehmigt. Das Vermögen behielt der Staat auf der Grundlage der diversen antijüdischen NS-Gesetze ein.
Der von den Nationalsozialisten eingesetzte Testamentsvollstrecker Francke schloss die Nachlasssache Budge trotz regelmäßiger Anmahnung des Nachlassgerichts bis nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs nicht ab. 1949 kam es zu einem Ersuchen der Anwälte der in den USA lebenden Erben beim Amtsgericht Hamburg, Francke als amtierenden Testamentsvollstrecker abzusetzen. Doch wurde dieses Verlangen abgewiesen. Stattdessen handelte Francke während des von Dezember 1949 bis November 1952 andauernden Wiedergutmachungsverfahrens mit der Stadt Hamburg einen Vergleich über den Grundstückskomplex am Harvestehuder Weg aus, ohne dass die Erben über den Verlauf dieses Verfahren benachrichtigt wurden.
Ein weiterer Rückerstattungsanspruch, hier bezüglich der Entziehung des Vermögens insbesondere der Wertpapiere, fand im Herbst 1959 auf direkten Antrag der Erben vor dem Landgericht in Hamburg statt. In Erster Instanz wurde das Anliegen zurückgewiesen, doch am 8. April 1960 erkannte das mit sofortiger Beschwerde angerufene Hanseatische Oberlandesgericht den Anspruch in vollem Umfang an. Zudem stellte dieses Gericht fest, dass der vormalige Testamentsvollstrecker Francke „bei seiner Tätigkeit lediglich die Interessen des Reiches“ wahrgenommen hatte.
Seit der Washingtoner Erklärung von 1998 und den damit einhergehenden erklärten Absichten der Bundesrepublik Deutschland, sich um die Rückgabe von NS-Raubkunst zu bemühen, wird verstärkt nach dem Verbleib der weit über tausend Objekte der ehemaligen Kunstsammlung Emma Budges geforscht. Vereinzelt konnten Exponate restituiert werden. Im Januar 2011 wurde öffentlich, dass das Hotel Vierjahreszeiten im Besitz eines Wandteppichs aus der Sammlung ist und die Rückgabeverhandlungen verschleppt hatte. Nach der öffentlichen Aufmerksamkeit gab das Hotel die Tapisserie an die Erben zurück.
Die Erben stellten zudem einen Anspruch auf Rückübertragung des Budge-Palais. Die Hamburger Finanzbehörde prüfte den Fall. Zu klären war, ob sich die Stadt Hamburg auf die Verjährung der Angelegenheit berufen könne oder diese nach dreißig Jahren abgelaufene Frist gemäß der Washingtoner Erklärung aussetzt und die rechtlichen Sachverhalte des damaligen Kaufs durch die Nationalsozialisten, die nicht erfolgte Auszahlung des Kaufpreises an die Erben und den ohne die Erben ausgehandelten Vergleich von 1952 rechtlich neu bewertet werden müsse. Im April des Jahres 2011 fiel die Entscheidung, dass das Budge-Palais, die heutige Hochschule für Musik und Theater, erhalten bleibt und die Erben entschädigt würden.

Alberstedt

51.447511.625555555556170Koordinaten: 51° 26′ 51″ N, 11° 37′ 32″ O
Alberstedt ist ein Ortsteil der Gemeinde Farnstädt im Saalekreis in Sachsen-Anhalt (Deutschland).

Alberstedt liegt zwischen Halle (Saale) und Erfurt.
In einem zwischen 881 und 899 entstandenen Verzeichnis des Zehnten des Klosters Hersfeld (Hersfelder Zehntverzeichnis) wird Alberstedt als zehntpflichtiger Ort Alberestat im Friesenfeld genannt.
Alberstädt war eine frühere Schreibweise des Ortsnamens. Seit 1816 lag der Ort im Mansfelder Seekreis der preußischen Provinz Sachsen. 1822 lebten hier 352 Einwohner in 63 Häusern, die bis 1848 dem Prinzlichen Patrimonialgerichts des Amtes Schraplau unterstanden. Zu Alberstedt gehörten damals 21 Morgen Gärten, 97 Hufen, 28 5/8 Morgen Ackerland und 58 Kabeln.
Von 2005 bis 2009 gehörte Alberstedt zur Verwaltungsgemeinschaft Weida-Land. Bis zur Eingemeindung nach Farnstädt am 1. Januar 2010 war Alberstedt eine selbständige Gemeinde. Letzter Bürgermeister Alberstedts war Rudolf Bernhardt.
Seit Dezember 2008 ist Alberstedt über die Südharzautobahn A 38 Leipzig-Göttingen erreichbar, aus westlicher Richtung über die Abfahrt Rothenschirmbach und aus östlicher Richtung über die Abfahrt Querfurt. Westlich Alberstedts verläuft die Bundesstraße 180 von Hettstedt nach Naumburg (Saale).

William L. Goggin

William Leftwich Goggin (* 31. Mai 1807 bei Bunker Hill, Bedford County, Virginia; † 3. Januar 1870 bei Liberty, Virginia) war ein amerikanischer Politiker. Zwischen 1839 und 1849 vertrat er mehrfach den Bundesstaat Virginia im US-Repräsentantenhaus.
William Goggin besuchte die öffentlichen Schulen seiner Heimat. Nach einem anschließenden Jurastudium an der Tucker’s Law School in Winchester und seiner 1828 erfolgten Zulassung als Rechtsanwalt begann er in Liberty in diesem Beruf zu arbeiten. Außerdem betätigte er sich in der Landwirtschaft. Später schlug er als Mitglied der Whig Party auch eine politische Laufbahn ein. Von 1836 bis 1837 saß er im Abgeordnetenhaus von Virginia. Bei den Kongresswahlen des Jahres 1838 wurde Goggin in das US-Repräsentantenhaus in Washington D.C. gewählt, wo er am 4. März 1839 sein neues Mandat antrat. Nach einer Wiederwahl konnte er bis zum 3. März 1843 zunächst zwei Legislaturperioden im Kongress absolvieren. Im Jahr 1842 wurde er nicht bestätigt.
Nach dem Rücktritt des Abgeordneten Thomas Walker Gilmer wurde Goggin bei der fälligen Nachwahl für den sechsten Sitz von Virginia als dessen Nachfolger in den Kongress gewählt, wo er am 25. April 1844 sein Mandat antrat. Bis zum 3. März 1845 beendete er die laufende Legislaturperiode. Bei den regulären Wahlen des Jahres 1844 verzichtete er auf eine weitere Kandidatur. Bei den Wahlen des Jahres 1846 wurde er im fünften Wahlbezirk von Virginia als Nachfolger von Shelton Leake nochmals in den Kongress gewählt, wo er zwischen dem 4. März 1847 und dem 3. März 1849 eine letzte Amtszeit verbrachte. Diese war von den Ereignissen des Mexikanisch-Amerikanischen Krieges geprägt. In dieser Zeit war Goggin Vorsitzender des Postausschusses. Im Jahr 1848 kandidierte er nicht mehr.
1859 bewarb sich William Goggin erfolglos um das Amt des Gouverneurs von Virginia. Im Jahr 1861 war er Delegierter auf der Versammlung, auf der sein Staat den Austritt aus der Union beschloss. Während des folgenden Bürgerkrieges war Goggin Hauptmann der Heimattruppen, die zum Heer der Konföderation gehörten. Nach dem Krieg praktizierte er wieder als Anwalt. Er starb am 3. Januar 1870 auf seinem Anwesen im Bedford County.
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Lebensstandard

Lebensstandard drückt das reale Niveau des Besitzes und Konsumierens von Gütern und Dienstleistungen aus und ist als quantitative Größe objektiv messbar. Demnach wird damit der materielle Wohlstand und das physische Wohlbefinden für einen Menschen, eine soziale Gruppe, einer sozialen Schicht, eines bestimmten Gebietes oder eines Staates vergleichbar gemacht.
Nach Artikel 25 der Allgemeinen Erklärung der Menschenrechte hat jeder Mensch ein Recht auf „einen Lebensstandard, der seine und seiner Familie Gesundheit und Wohl gewährleistet“. Dabei sind Lebensmittel (Trinkwasser und Nahrungsmittel), Kleidung, Wohnung, ärztliche Versorgung und notwendige soziale Leistungen ausdrücklich eingeschlossen.

Der Systemwissenschaftler Ervin László und der Naturwissenschaftler Ernst Ulrich von Weizsäcker warnen davor, die Ideologie der Gegenwart – die einen ständig steigenden Lebensstandard anstrebt – von den Industriestaaten auf die übrige Welt zu übertragen. Die Ressourcen der Erde würden nicht ausreichen, um sowohl die Menschheit zu versorgen als auch die Stabilität der Ökosysteme zu erhalten. Die internationale Studie „Living Planet Report“, die jährlich vom Global Footprint Network herausgegeben wird, bestätigt diese Befürchtungen: Wir bräuchten fünf Planeten wie die Erde, wenn alle Menschen so leben würden wie die US-Amerikaner heute (2014). In Deutschland ist der ökologische Fußabdruck mehr als doppelt so groß wie die weltweit durchschnittlich verfügbare Biokapazität. Da eine intakte Umwelt eine elementare Voraussetzung für einen hohen Lebensstandard ist, sieht Laszlo die Lösung in der Entwicklung neuer Wertvorstellungen jenseits der Wachstumsideologie: Lebensstandard müsste im Sinne von Lebensqualität völlig neu und nachhaltig definiert werden, um der Forderung der Menschenrechte nachzukommen und die Regenerationsfähigkeit der Biosphäre dauerhaft zu erhalten.
Vor allem aufgrund seiner rein materiellen Betrachtung wird das Konzept von Vertretern nicht-westlicher Kulturen bisweilen als eurozentrisch eingestuft.
In der Volkswirtschaft wird der (allgemeine) Lebensstandard mit Indikatoren gemessen. Hierbei werden je nach Methode wirtschaftliche und soziale Indikatoren berücksichtigt. Oft als Maßstab genommen werden:
Seltener findet man:
Anthropometrische Daten, Kalorienkonsum, Arbeits- und Freizeit sind neben Haushaltsein- und ausgaben weitere Indikatoren des Lebensstandards.
Der allgemeine Lebensstandard in westlichen Ländern unterscheidet sich stark von dem in Entwicklungsländern. Eine hohe Dynamik und damit verbunden große Unterschiede zwischen Arm und Reich (d. h. hohem und niedrigem individuellen Standard) findet sich in den sogenannten Schwellenländern. Der allgemeine Lebensstandard ist unter anderem von der technischen Entwicklung abhängig. Beispielsweise zählte in Westeuropa in den 1950er Jahren eine – heute selbstverständliche – Waschmaschine nicht zum allgemeinen Standard. Als weiteres Beispiel ist in ländlichen Regionen entwickelter Länder ein Leben ohne Auto heute bereits mit starken Einschränkungen verbunden; der bisher nur individuelle Standard entwickelt sich hier langsam zum allgemeinen Standard, wobei arme Bevölkerungsgruppen davon ausgeschlossen sein können. Auch die Intaktheit der Umwelt hat Auswirkungen auf den Lebensstandard (z. B. Zersiedelung, Luft- und Bodenbelastung durch die Industrie).
Ein Industriearbeiter im 19. Jahrhundert musste typischerweise 12 Stunden täglich arbeiten, zuzüglich rund 2 Stunden häusliche Tätigkeiten. Demgegenüber wenden Jäger- und Sammlervölker – selbst in afrikanischen oder australischen Wüstengebieten – im Mittel nur 2,5 Stunden für die Nahrungsbeschaffung und 3,5 Stunden für alle weiteren Tätigkeiten auf. Beim einfachen Feldbau liegt der Wert bei knapp 7 Stunden; beim intensiven Bewässerungsfeldbau in Südostasien jedoch bereits bei fast 9,5 Stunden täglich. Wird der Lebensstandard an diesem Zeitaufwand für die täglichen Tätigkeiten für den Unterhalt, den Haushalt, die Kinder u.s.w. gemessen, liegt ein amerikanischer Durchschnittsbürger heute mit 11 Stunden täglich am unteren Ende der Skala!
Der individuelle Lebensstandard bezeichnet das Niveau der Lebensbedingungen einer Person im Vergleich zu Anderen (zumeist derselben Gesellschaft). Auf individueller Ebene gelten insbesondere materielle Güter wie z. B. ein modernes Auto, schöne Kleidung, regelmäßige Flugreisen oder ein komfortabler Platz zum Wohnen als Ausdruck eines „angemessenen“ Lebensstandards (auch: des Lebensstils) in den Industrieländern.
Jedoch weist schon der „komfortable Wohnort“ auch auf andere als materielle Dinge hin. Die modern mit allem Komfort ausgestattete Mietwohnung in sozialer Brennpunktlage hat erheblich andere Lebensqualität als ein rundum modernisiertes Fachwerkhaus in einer Altstadt. Der Verzicht auf ein Auto oder Flugreisen, der in den Augen vieler sicher ein Verlust an Lebensstandard darstellt, wird von manchen umweltbewussten Menschen als Gewinn an Lebensqualität empfunden.
Lebensqualität und -standard werden außerdem von Möglichkeiten der Teilhabe an kulturellen Gütern beeinflusst – das Existenzminimum beispielsweise reicht nicht für den Besuch von Gaststätten; Theater und kulturelle Veranstaltungen, Museen, Funk- und Fernsehen (Rundfunkgebühr), öffentliche Bibliotheken können auf dieser Basis nur mit hohen Ermäßigungsregelungen genutzt werden. Inwieweit hier jedoch ein „Fehlen“ von Teilhabemöglichkeiten festgestellt wird, hängt u. a. vom Bildungsstand ab. Auch Bildung gehört wie eine Reihe anderer Werte (Gesundheit, Gewaltfreiheit, etc.) zum individuellen Lebensstandard. In einigen Industriestaaten lässt sich zurzeit beobachten, dass der Wohlstand zunimmt, gleichzeitig aber auch die soziale Ungleichheit (Anzahl der von Armut betroffenen) wächst. Familien mit minderjährigen Kindern und insbesondere Alleinerziehende sind dabei in der Gruppe mit niedrigem Lebensstandard überrepräsentiert.
Auf das Individuum bezogen spricht man bei einer am bisherigen Einkommen orientierten sozialen Sicherung auch von einer Sicherung des Lebensstandards. Beispielsweise bezeichnet man die Sicherung des Lebensstandards im hohen Lebensalter als Alterssicherung. Die Sicherung des Lebensstandards ist einerseits Aufgabe des Einzelnen, andererseits Gegenstand der Politik (Sozialpolitik, Familienpolitik u. a.). Staatliche Rahmenbedingungen hierfür werden unter den Begriff Wohlfahrtsstaat gefasst.
In der Bundesrepublik Deutschland ist die Sozialversicherung an der Sicherung des bisherigen Lebensstandards orientiert. Die soziale Absicherung orientierte sich lange Zeit bei Arbeitslosigkeit (Bezug der ehemaligen Arbeitslosenhilfe) und bei Scheidung (Unterhalt) am Erhalt des bisherigen Lebensstandards durch eine am früheren Einkommen orientierte Absicherung. Von diesem Prinzip ist mit der Einführung des Arbeitslosengeldes II abgerückt worden: der Anspruch Langzeitarbeitsloser hängt seitdem von einer Bedürftigkeitsprüfung ab und orientiert sich nunmehr am (sozio-kulturellen) Existenzminimum; es stellt damit keine Sicherung des früheren Lebensstandards mehr dar. Von diesem Prinzip wurde ebenfalls durch die Unterhaltsreform (Gesetz zur Reform des Unterhaltsrechts) abgerückt: der Unterhalt orientiert sich nunmehr nicht dauerhaft am ehelichen Lebensstandard, sondern ist auf nacheheliche Eigenverantwortung ausgerichtet.
Nach dem amerikanischen Ethnologen Marshall Sahlins begann die Entwicklung der Menschheit mit der ursprünglichen Wohlstandsgesellschaft, die von weitgehender Bedürfnisbefriedigung und reichlich arbeitsfreier Zeit für alle Menschen geprägt war. Erst mit der Entwicklung der verschiedenen Herrschaftsformen sowie der Arbeitsteilung und Spezialisierung kam es zu sozialer Ungleichheit mit einer oftmals drastischen Verschlechterung des Lebensstandards einzelner, rangniedriger Gesellschaftsschichten.
Auf den Lebensstandard dieser Menschen vor der Neolithischen Revolution schließt man anhand von Vergleichen mit heutigen lokalen Ethnien, die noch von traditionellen Subsistenzwirtschaften leben. Ein wichtiger Indikator ist die mittlere tägliche Energiezufuhr durch Lebensmittel. Diese unterscheidet sich erheblich zwischen Gesellschaften und beträgt etwa 6.280 kJ (= 1.500 kcal) bei den Yanomami bis zu etwa 15.900 kJ (= 3.800 kcal) bei den Aché.
Im vorindustriellen England konsumierte man täglich geschätzte 9.630 kJ (= 2.300 kcal). Die Yanomami haben dabei eine größere Abwechslung als es die Engländer hatten: Während die Engländer sich hauptsächlich von Brot und ein wenig Käse und Speck ernährten, standen auf dem Speiseplan der Yanomami zahlreiche Tier- und Pflanzenarten, unter anderem Wildschwein, verschiedene Vögel, Insekten und Fische, Früchte und Gemüse. Ein anderer Indikator des Lebensstandards ist die Körpergröße, wobei eine zunehmende Größe mit größerem Lebensstandard verbunden wird. Sie deutet auf keinen Zuwachs des Lebensstandards vor der Industriellen Revolution hin. Jäger und Sammler waren nicht kleiner als Europäer im 18. Jahrhundert, und teilweise größer als Asiaten.
Großen Einfluss auf die Arbeitswelt hatte die Industrielle Revolution. Uneinheitlich wird jedoch die Entwicklung des Lebensstandards zu dieser Zeit betrachtet. Wie die britische Wirtschaftsentwicklung der auf dem europäischen Kontinent um Jahrzehnte vorauslief, so auch die Veränderungen der Sozialstruktur und der proletarischen Existenzbedingungen. Deshalb stand auch zunächst die Entwicklung des Lebensstandards der britischen Arbeiterschaft im Zuge der Industriellen Revolution – wie bei Engels – im Mittelpunkt des Interesses der zeitgenössischen Beobachter. Eine Studie von Peter H. Lindert und Jeffrey G. Williamson aus dem Jahr 1983 schätzte die Entwicklung der Reallöhne zwischen 1755 und 1851 in mehreren Berufen und kam zu dem Ergebnis, dass Löhne von 1781 bis 1819 nur leicht anstiegen, im Zeitraum 1819–1851 sich hingegen verdoppelten. Diese Sicht wurde von anderen Ökonomen teilweise in Frage gestellt. Charles Feinstein verwendete einen anderen Preisindex als Lindert und Wiliamson und meinte, dass der Anstieg der Löhne deutlich geringer gewesen sein müsse. Untersuchungen zur Körpergröße stellen eine Abnahme dieser für den Beginn der industriellen Revolution im Europa des späten 18. Jahrhunderts fest, was John Komlos auf die große Ungleichheit zu dieser Zeit zurückführt.
Die meisten Wirtschaftshistoriker stimmen darin überein, dass die Einkommensverteilung zwischen 1790 und 1840 ungleicher wurde. „Was die Anteile am Sozialprodukt betrifft, steht fest, dass die Steigerung der Kapital- und Renteneinkommen weit über und jene der Lohneinkommen weit unter der Steigerung des durchschnittlichen Pro-Kopf-Einkommens lag.“ Berücksichtigt man die Folgen von Arbeitslosigkeit, Umweltverschmutzung und Bevölkerungsdichte, erscheint eine zeitweilige Verschlechterung des Lebensstandards plausibel. Teilweise wird argumentiert, dass eine Reihe von Kriegen (Amerikanische Revolution, Napoleonische Kriege, Britisch-Amerikanischer Krieg) die positiven Effekte dämpften. Osterhammel resümiert: „Insgesamt verbesserte sich das Leben der arbeitenden Bevölkerung in England zwischen 1780 und 1850 nicht. Danach zogen die Löhne deutlich an den Preisen vorbei, und die Lebenserwartung begann allmählich zu steigen.“
Im 20. Jahrhundert kam es, insbesondere nach dem Zweiten Weltkrieg, zu einem rapiden Wachstum des Lebensstandards in Industrieländern. Damit verbunden wuchs z.B. die Körpergröße bei Skandinaviern, Deutschen und Franzosen im Mittel um etwa 18 Zentimeter. Es stiegen unter anderem auch die Lebenserwartung und der Bildungsstand, die Kindersterblichkeit nahm rapide ab. Die Ungleichverteilung des Lebensstandards in den USA nahm nach dem Zweiten Weltkrieg weiter ab, stieg jedoch seit Mitte der 1970er Jahre wieder an. Langfristige Entwicklungen bei Einkommensunterschieden folgten auch in den meisten westeuropäischen Ländern und westlichen Ablegern einer U‑Kurve: Die Ungleichheit im Einkommen ging gegen Ende des 19. Jahrhunderts bis etwa 1970 zurück und steigt seitdem in den OECD-Mitgliedsstaaten wieder an.

Münzfernsprecher

Ein Münzfernsprecher (Abkürzung der Deutschen Bundespost: MünzFw) – auch Münztelefon oder kurz Münzer genannt – ist ein Telefonapparat, der es nach Einwurf von Münzgeld ermöglicht, eine Telefonverbindung herzustellen.

In Deutschland sind zwei unterschiedliche Arten von Münzern gebräuchlich:
Notrufnummern (110, 112) und freeCall-Rufnummern (0800) können bei allen öffentlichen Münzfernsprechern auch ohne Münzeinwurf erreicht werden.
Telefonate über Call-by-Call Vorwahlen anderer Anbieter sind im Regelfall nicht möglich.
Münzfernsprecher sind überwiegend in Telefonhäuschen (TelH) oder Telefonhauben (TelHb) eingebaut. Außerdem können Münzfernsprecher an so genannten Medienträgersystemen (MTS) oder mit Hilfe eines Wandbefestigungsrahmens beziehungsweise einer Adapterplatte an eine Wand montiert werden.
Einige Geräte gibt es als Tischmodell oder kombiniertes Tisch/Wandmodell. Der historische Teilnehmer-Münzfernsprecher 55b (Tln Mü 55b) ist ein Beispiel für ein Tischmodell. Dieser befand sich überwiegend in Gaststätten, Hotels und ähnlichen Einrichtungen, teils auf dem Tresen oder auch in Fernsprechkabinen und wurde umgangssprachlich auch als „Groschengrab“ bezeichnet.
Öffentliche Münzfernsprecher gibt es nur als Wandgeräte.
Die Entwicklung ging vom mechanischen, über den elektromechanischen, teilelektronischen bis zum heutigen elektronischen Münzfernsprecher.
Über einen Zeitraum von mehr als 35 Jahren (ungefähr 1928 bis 1965) wurde der Münzfernsprecher 28 eingesetzt. Dieser Münzfernsprecher war sowohl für selbstgewählte Ortsgespräche als auch für handvermittelte Ferngespräche verwendbar. Es konnten in 4 verschiedene Einwurfschlitze 1 DM-, 50 Pf-, 10 Pf- und 5 Pf-Münzen eingeworfen werden. Bei einem Ortsgespräch, das zeitunabhängig 20 Pf kostete, konnte nach Einwurf von zwei 10 Pf-Münzen die Rufnummer des Teilnehmers im gleichen Ortsnetz gewählt werden. Bei einem Ferngespräch wurde zuerst das Fernamt angerufen. Die vermittelnde Person nahm den Verbindungswunsch auf, fragte, wie lang das Gespräch mindestens dauern wird und nannte die Kosten des Gesprächs (z.B. 95 Pf für ein 3-Minuten-Gespräch über eine Entfernung von 60 km).
Der Anrufende wurde gefragt, in welcher Stückelung und Reihenfolge er die Münzen einwerfen wird. Am Ende des jeweiligen Münzkanals trafen die Münzen auf Klangstäbe. Die vermittelnde Person konnte somit hören, welche Münzen in welcher Anzahl eingeworfen wurden. Die vermittelnde Person hatte in der Zwischenzeit die Verbindung mit Verbindungsschnüren aufgebaut (unter Umständen waren je nach Entfernung weitere Personen daran beteiligt). Der Anrufer wurde aufgefordert, den Zahlknopf zu drücken, wonach die Münzen kassiert wurden. Die Verbindung wurde dann durchgeschaltet. Gegen Ende des Gespräches, wurde der Anrufer gefragt, ob er das Gespräch fortführen will. Gegebenenfalls wurde er aufgefordert, weitere Münzen einzuwerfen.
Mit der Einführung des Selbstwählferndienstes und des Fernwahlmünzfernsprecher (MünzFw) zwischen ca. 1956 bis 1965 in der Bundesrepublik Deutschland erfolgte die Ablösung des Münzfernsprechers 28.
Der Fernwahlmünzfernsprecher (MünzFw) erlaubte auch Ferngespräche im „Selbstwählferndienst“ und war in der Lage, abhängig vom Preis der Fernverbindung und der Dauer des Gespräches fortlaufend Münzen zu kassieren. Bei den Münzer-Modellen MünzFw 56, 63 und 57 der Deutschen Bundespost konnte der „Sprechgast“ durch ein vorhandenes Sichtfenster sehen, wie die Reihe der eingeworfenen Münzen kürzer und kürzer wurde, und war dadurch in der Lage, rechtzeitig weitere Münzen nachzuwerfen. Diese Geräte hatten einen sehr komplexen, elektromechanischen Innenaufbau.
Das Münztelefon 23, 1992 bei der Deutschen Bundespost Telekom eingeführt, ist ein elektronisches softwaregesteuertes Münztelefon für analoge Anschlüsse. Es ist ausgestattet mit Münzprüfer, Münzspeicherwagen, und integriertem Einstell- Prüfprogramm. Es verfügt über eine Fernwartung, die mittels eines integrierten Modems Fehler (zum Beispiel Defekte an Baugruppen, fehlender Hörer), Betriebszustände (zum Beispiel volle Münzkassette) oder Aufbrüche (zum Beispiel Offenstehen der Kassettenanbautür, fehlende Münzkassette) selbstständig an ein Hintergrundsystem meldet, an das alle öffentlichen Münz- und Kartentelefone der Deutschen Telekom AG angeschaltet sind.
Das Münztelefon 23 besteht aus zwei Grundeinheiten, dem Geräteteil mit sämtlichen zum Betrieb notwendigen Baugruppen (BG) und dem unterhalb des Münztelefons befestigten Kassettenanbau mit der Münzkassette. Baugruppen sind:
Anstelle des Kassettenanbaus wird überwiegend auch die stärker gegen Aufbruch geschützte Version, der Münztresor, angebaut.
Kassettenanbauten und Münztresore gibt es in unterschiedlichen Ausführungen, von älteren aus Stahl geschweißten Modellen, mit bohrgeschütztem Schloss, die weniger sicher sind, über Modelle mit Schlossschutz (Deckel beziehungsweise Verschraubungen, die sich vor dem eigentlichen Schloss befinden und dieses vor Manipulationen, Verstopfen und ähnlichem schützen), verstärkte Modelle aus speziellem bohrresistenten Stahl bis hin zu schweren gegossenen Tresoren die weitgehend aufbruchssicher sind.
Außer Telefonieren ist mit dem Münztelefon 23 bei vielen Standorten auch der Versand von SMS-Nachrichten möglich.
Alternativen zum reinen Münz- oder Kartengerät bieten Allpayment-Geräte, wie die „Telestation“ der Deutschen Telekom AG. Bei diesem Gerät handelt es sich um ein „Kombigerät“ welches Münzen, Telefonkarten (Chipkarten, sowie bei einigen aber nicht allen Geräten auch Geldkarten) und Kreditkarten annehmen kann. Auch dieses Modell wird zurzeit in unterschiedlichen Versionen (Langversion, Kurzversion, Wandversion) neu aufgebaut beziehungsweise als Ersatz für Telefonhäuschen eingesetzt. Die Telestation ist ein Gerät für ISDN-Anschlüsse.
Eine Weiterentwicklung der „Telestation“ ist das „BluePhone kompakt“. Das BluePhone ist ein Telefon für ISDN-Anschlüsse. Im Prinzip ist es eine stark verkürzte Telestation, ohne Fernkennzeichen (beleuchtetes Telekom Logo), welche zum Einbau in Telefonhäuschen vorgesehen ist. Das „BluePhone kompakt“ wird möglicherweise der Nachfolger des Münztelefon 23 werden, da die Produktion von Münztelefon-23-Komplettgeräten vom Hersteller eingestellt wurde. Der Hersteller der BluePhone Geräte ist die Firma IPM-PayPhone Systems GmbH.
Bei den „Telestationen“ und dem „BluePhone kompakt“, sind nur die Gehäuse (Stand- und Wandversionen) unterschiedlich, der eigentliche Geräteteil ist bei allen Modellen identisch und kann untereinander ausgetauscht werden. Dies erleichtert die Störungsbeseitigung und die Servicetechniker müssen weniger Ersatzteile mitführen. Dieses Geräteteil wird als „BluePhone“ bezeichnet. Das BluePhone ist eine Gerätetür an der alle zum Telefonieren benötigten Teile angebaut sind. Außen: Handapparat, Handapparataufhängung, Tastatur, Display, Münzeinwurf- und Kartenleserschlitz sowie die Rückgabeklappe des Münzrückgabebechers für nicht verbrauchte Münzen. Im Innern: Kartenleser, Münzprüfer, Münzspeicher, „Blue Face“ (ein Kasten der das eigentliche Telefonieren und das Kommunizieren mit dem Hintergrundsystem ermöglicht) mit diversen Schnittstellen und Anschlussbuchsen, an denen alle Baugruppen, der Handapparat und die Telefonleitung welche zum NTBA führt, angeschlossen werden.
Der Trend der letzten Jahre, Münztelefone durch Kartentelefone zu ersetzen oder komplett abzubauen, wird jetzt (Stand Juli 2006) bei der Deutschen Telekom wieder umgekehrt. Verstärkt werden wieder Münztelefone eingesetzt oder neu eingerichtet (wie das Allpayment-Gerät BluePhone kompakt), da der Umsatz an Kartengeräten rückläufig ist.

Juan Pardo de Tavera

Juan Pardo de Tavera (* 16. Mai 1472 in Toro; Zamora; † 1. August 1545 in Valladolid) wurde im Jahre 1531 zum Kardinal der Katholischen Kirche ernannt; seit dem Jahr 1534 war er Erzbischof von Toledo. In den letzten Jahren seines Lebens (ab 1539) bekleidete er das Amt des Großinquisitors von Spanien.
Juan Pardo de Tavera absolvierte ein Studium (Latein, Rhetorik und Kirchenrecht) an der Universität von Salamanca; im Jahre 1505 wurde er deren Rektor. Im gleichen Jahr erhielt er einen Sitz im Kapitel der Kathedrale von Sevilla. Im Juli 1514 wurde er zum Bischof von Ciudad Rodrigo gewählt; die Weihen erhielt er noch im gleichen Jahr.
Der Kardinal Adrian von Utrecht beauftragte ihn mit den Vorbereitungen der Eheschließung zwischen Karl V. und Isabella von Portugal sowie der Eheschließung von Johannes III. von Portugal mit Katharina von Kastilien. Im Dezember des Jahres 1523 wurde er zum Bischof von Osma ernannt; bereits ein halbes Jahr später zum Bischof von Santiago de Compostela. 1524 wurde er Präsident des Kronrats und leitete mehrere Tagungen der Generalstände bis zum Jahr 1538. In der Zwischenzeit ernannte Papst Clemens VII. ihn zum Kardinal und zum Erzbischof von Toledo. In den Jahren 1539 bis 1541 übertrug Karl V. ihm während seiner Abwesenheit die Regentschaft über Spanien. Nach seinem Tod im Jahre 1545 soll Karl V. bemerkt haben, dass ihm ein alter Mann gestorben sei, der ihm sein Königreich mit einem Krückstock regiert habe.
Juan Pardo de Tavera wurde zunächst in Valladolid, später dann in der Kirche des von ihm selbst gestifteten – aber zum Zeitpunkt seines Todes noch unvollendeten – Hospital de Tavera in Toledo beigesetzt. Alonso Berruguete schuf ihm in den Jahren 1551–1561 ein kostbares Marmorgrabmal, wo er als Liegefigur (gisant) dargestellt ist – umgeben von den vier Kardinaltugenden Weisheit/Klugheit (sapientia/prudentia), Gerechtigkeit (iustitia), Tapferkeit (fortitudo) und Mäßigung (temperantia). Auch das posthume, nach seiner Totenmaske gestaltete, Porträt (um 1610) von El Greco ist dort zu sehen.

Kurt Rosenfeld

Kurt Rosenfeld (* 1. Februar 1877 in Marienwerder; † 25. September 1943 in New York, USA) war ein deutscher sozialistischer Politiker und Anwalt.

Rosenfeld studierte von 1896 bis 1899 Jura und Nationalökonomie an den Universitäten in Freiburg im Breisgau (hier unter anderem bei Max Weber) und Berlin, während des erfolgreich mit einer rechtswissenschaftlichen Promotion abgeschlossenen Studiums trat er der SPD bei. 1905 ließ er sich als Rechtsanwalt in Berlin nieder, wo er von 1910 bis 1920 als sozialdemokratischer Stadtverordneter fungierte, in politischen Prozessen vertrat er unter anderem Rosa Luxemburg, Kurt Eisner und Georg Ledebour.
Von 1914 bis 1918 nahm Rosenfeld am Ersten Weltkrieg teil, als Gegner der sozialdemokratischen Burgfriedenspolitik zählte er 1917 zu den Mitbegründern der USPD. Nach der Novemberrevolution amtierte Rosenfeld kurzzeitig vom November 1918 bis zum Januar 1919 als preußischer Justizminister und wurde 1919 in die preußische Verfassunggebende Landesversammlung gewählt, 1920 in den Reichstag, dem er bis 1932 angehörte. Der Weimarer Nationalversammlung gehörte er als Nachrücker für den verstorbenen Abgeordneten Emanuel Wurm vom 3. Mai 1920 bis zu deren Auflösung am 21. Mai 1920 an.
1922 zählte Rosenfeld zusammen mit Theodor Liebknecht und Georg Ledebour zu den bekanntesten Gegnern des Zusammenschlusses der USPD mit der SPD, im Unterschied zu Liebknecht und Ledebour schloss Rosenfeld sich aber dennoch wieder der Sozialdemokratie an. In Reichstagsfraktion und Partei zählte Rosenfeld gemeinsam mit Paul Levi und Max Seydewitz zu den führenden Vertretern der SPD-Linken, ab 1927 arbeitete er am Klassenkampf, der theoretischen Zeitschrift der marxistischen Linken in der SPD mit. Als Anwalt vertrat Rosenfeld in dieser Zeit unter anderem Carl von Ossietzky, vor allem im Weltbühne-Prozess 1931.
Im September 1931 wurde Rosenfeld wegen des Bruches der Fraktionsdisziplin bei einer Abstimmung im Reichstag aus der SPD ausgeschlossen, gemeinsam mit Seydewitz war er Gründer und bis 1933 Co-Vorsitzender der SAPD. Im Frühjahr 1933 trat Rosenfeld aus der SAPD aus und forderte die Mitglieder auf, sich der KPD anzuschließen. Im gleichen Jahr gründete er in Paris die antifaschistische Nachrichtenorganistaion Agence Impress. Nach dem Reichstagsbrand emigrierte er zunächst nach Frankreich, dann in die USA, dort gab er zusammen mit Gerhart Eisler die Exilzeitschrift The German-American heraus, war Präsident der German American Emergency Comitee und setzte sich sehr aktiv für die Einheit aller deutschen und deutschsprachigen Hitlergegner auf dem amerikanischen Kontinent ein. Seit 1943 war er Ehrenpräsident des Lateinamerikanischen Komitees der Freien Deutschen. Daneben war er auch im Exil weiterhin als Anwalt tätig.
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Puriel

Puriel (auch Pyriel, Puruel, Pusiel, Pyruel oder Purel) ist ein Engel, der nur im apokryphen Testament Abrahams als Erzengel vorkommt, wo er als unbarmherzig und feurig beschrieben wird. Zusammen mit Dokiel ist er einer der beiden Engel, die die Seelen der in den Himmel Gekommenen prüfen.

„The fiery and pitiless angel, holding the fire in his hand, is the archangel Puruel, who has power over fire, and tries the works of men through fire, and if the fire consume the work of any man, the angel of judgment immediately seizes him, and carries him away to the place of sinners, a most bitter place of punishment.“
„Der feurige und erbarmungslose Engel, das Feuer in der Hand haltend, ist der Erzengel Puruel, der die Macht über das Feuer innehat und die Werke der Menschen mit Feuer prüft, und wenn das Feuer die Arbeit eines Mannes zunichtemacht, erblickt ihn der Engel der Gerichtsbarkeit und trägt ihn hinfort zum Platz der Sünder, dem bittersten Ort der Bestrafung.“
Der Name Puriel wird entweder als Mischform aus griechisch πῦρ (pyr) = Feuer und hebräisch אל (el) = Gott gedeutet, oder alternativ – bezüglich des ersten Namensteiles – von פרענות (Pur’anut) = Unglück, Katastrophe. Bekannt wurde er vor allem durch den Film God’s Army 3 mit Christopher Walken in der Hauptrolle, wo Puriel – hier alternativ Pyriel geschrieben – als der Engel des Genozids bezeichnet wird, der die Menschen auslöschen wird und so von den abtrünnigen Engeln als deren Messias gesehen wird.

Swineshead Abbey

Tochterklöster
keine
Swineshead Abbey ist eine ehemalige Zisterzienserabtei in England. Das Kloster lag rund einen Kilometer nordöstlich von Swineshead und rund 8 km westsüdwestlich von Boston in der Grafschaft Lincolnshire, in der Nähe der Bucht The Wash.

Das der Kongregation von Savigny angehörende Kloster wurde im Jahr 1135 von Robert de Gresley als Tochterkloster von Furness Abbey gestiftet. Im Jahr 1147 schloss es sich mit der Kongregation von Savigny dem Zisterzienserorden an, in dem es der Filiation der Primarabtei Clairvaux angehörte. In seiner Frühzeit scheint das Kloster recht wohlhabend gewesen zu sein. Es war vor 1216 die Zufluchtsstätte von König Johann, nachdem dieser bei Durchquerung der Bucht The Wash die Kronjuwelen verloren hatte. Im Jahr 1536 wurde das Kloster, das auf ein Jahreseinkommen von 167 Pfund geschätzt worden war, von der Krone eingezogen. Im Jahr 1550 wurde es Lord Clinton verliehen. Im Jahr 1607 wurde ein bescheidenes Herrenhaus (Swineshead Abbey oder Abbey House) errichtet, das ziemlich sicher Steine der früheren Abtei aufweist.
Vom früheren Kloster hat sich nichts erhalten.

Bugnara

Bugnara ist eine italienische Gemeinde (comune) mit 1147 Einwohnern (Stand 31. Dezember 2013) in der Provinz L’Aquila in den Abruzzen. Die Gemeinde liegt etwa 53 Kilometer südöstlich von L’Aquila am Sagittano und gehört zur Comunità Montana Peligna.

Erstmals urkundlich erwähnt wurde die Gemeinde im 6. Jahrhundert. Die Marienkirche wurde um 1000 errichtet. Im April 2009 bebte die Erde und zerstörte Teile von Bugnara.
Durch die Gemeinde führen die Autostrada A25 von Torano Nuovo nach Pescara (ohne Anschluss) und die frühere Strada Statale 479 Sannita (heute eine Regionalstraße) von Sulmona nach Villetta Barrea.
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